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Dirk Reinsberg

Geschäftsführer Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels



Frage 1:

Die Verbandslandschaft im Bereich der Getränkewirtschaft ist sehr facettenreich strukturiert. Der BV GFGH ist eigentlich der Verband der qua seiner Einzigartigkeit und der Positionierung als Dachverband für die gesamte Getränkewirtschaft sprechen könnte. Haben Sie schon geplant, nach Berlin umzuziehen um noch besser auf politische Entscheidungen direkten Einfluss nehmen zu können?

Antwort: Der Getränkefachgroßhandel ist für alle in der Branche ein starker Partner und als solcher das Bindeglied zwischen Herstellern, Gastronomie und Handel. Genauso versteht sich auch der BV GFGH. Gemeinsam mit den Verbänden der Getränkebranche, des Groß- und Außenhandels sowie unterschiedlichsten Partner aus vielen Wirtschaftszweigen setzen wir uns dafür ein, die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Branche im Allgemeinen und den Getränkegroß- und Einzelhandel im Besonderen stetig zu optimieren. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf praxisrelevanten und zukunftsorientierten Themen und Lösungen für die Getränkewirtschaft.


Um diese Themen anzugehen und zu begleiten brauchen wir zuallererst unsere Partner aus der Branche und diese finden wir in der gesamten Republik verteilt. Geht es um die politischen Themen, so ist Berlin sicherlich wichtig. Ebenso wichtig sind in einem föderalen Staat wie der Bundesrepublik jedoch auch die sechzehn Landesregierungen der Bundesländer.


Und auch Brüssel, sprich die europäische Entwicklung und Gesetzgebung, spielt bei der Ausgestaltung der politischen Rahmenbedingungen eine immer größere Rolle. Insoweit haben wir mit unserem Verbandssitz in Düsseldorf seit vielen Jahren eine Heimat in der geographischen und politischen Mitte Europas. Was wollen wir mehr. Der BV GFGH ist insoweit auch in guter Gesellschaft. Von den gut 15.500 Verbänden die es in Deutschland gibt, verfügen rund 8.500 Verbände über eine hauptamtlich geführte Geschäftsstelle. Lediglich ca. 1.500 Verbände haben jedoch ihren Erst- oder einen Neben-Sitz in Berlin.


Frage 2:

Wie sehen Sie die Zukunft des GFGH im Spannungsfeld zwischen GAM/GFM, Gastronomie, Home Delivery/Online und LEH?


Antwort:

Die größte Veränderung in den aktuellen Vermarktungskanälen nehmen wir online wahr. Das Liefern von Getränken boomt nicht zuletzt durch die Pandemie. Und auch wenn die neuen Angebote (REWE, Flink, Gorillas) aktuell noch nicht allen Verbraucher*innen in Bezug auf das Liefergebiet zur Verfügung stehen oder sie vielleicht auch nie erreichen werden, so sehen sich Getränkefachgroßhändler neuen Marktteilnehmern und Wettbewerbern gegenübergestellt: Start-ups mit disruptiven Geschäftsmodellen, der Lebensmitteleinzelhandel mit seinen Online-Aktivitäten und internationale E-Commerce-Konzerne wie Amazon steigen in den Handel mit Getränken ein und verändern das Konsument*innenverhalten. Für Konsument*innen ist diese Art des Einkaufens vor allem bequem: Bestellungen bequem per App, kein Schleppen oder Schlangestehen mehr. Und in Corona-Zeiten wichtig: Onlinebestellungen reduzieren zusätzlich Kontakte. Der Getränkefachgroßhandel muss den Trend aufmerksam beobachten, auch wenn der Betrieb und Unterhalt einer Lieferflotte für das Endkund*innengeschäft teuer ist. Anbieter wie Durst bieten Getränkehändlern ohne eigenen digitalisierten Lieferdienst bspw. die nötige Infrastruktur an und geben ihnen damit die Chance an der Entwicklung teilzuhaben und in die endkund*innenorientierte Auslieferung von Getränken einzusteigen.


Vergleichbare Entwicklungen beobachten wir auch im Bereich des Geschäftsfeldes der Gastronomiebelieferung. Auch hier halten digitalisierte Bestellformate Einzug und verändern die Geschäftsbeziehung zwischen dem Gastronomiekunden und dem Getränkefachgroßhändler. Sich dieser Entwicklung als GFGH komplett zu verschließen wäre falsch. Der Getränkefachgroßhandel ist gut beraten sich den veränderten Formaten offen gegenüber zu positionieren und sich verändernde Prozesse als Chance für die eigene Weiterentwicklung und Optimierung zu nutzen.


Frage 3:

Sie sind von Hause aus eigentlich Jurist.Werden Sie auch in ihrer heutigen Funktion als Geschäftsführer des Bundesverbandes oft mit juristischen Fragen konfrontiert, obwohl ihre Aufgaben eigentlich völlig andere sind?


Antwort:

Eine glaubhafte und starke Interessenvertretung braucht Bodenhaftung. Daher lege ich großen Wert auf den direkten Kontakt zu unseren Mitgliedsbetrieben und deren Mitarbeiter*innen. Als direkter Ansprechpartner für die großen und kleinen Herausforderungen des täglichen Geschäftes im Getränkefachgroßhandel, sei es im Bereich des Personalwesens, der Logistik, des Datenschutzes oder des Krisenmanagements zu Zeiten der Pandemie, bekomme ich tagtäglich unschätzbaren Input aus der Branche. Um den Mitgliedern auch etwas zurückgeben zu können und beratend behilflich sein, hilft mir die juristische Ausbildung. Eine klassische Win-Win-Situation, für die Mitglieder, eine nachhaltige Interessenvertretung und den Verband.


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